Portraits

Ein FotoLangzeitProjekt

Das Fotoprojekt „Altersbilder“ begleitet seit 2017 Frauen und Männer, die zu Beginn des Projekts zwischen 50-70 Jahre alt sind. In Langzeitportraits geben sie Einblick in ihren persönlichen Weg des Älterwerden.

Die Portraitierten sprechen offen über ihre Vorstellungen vom Alter, über Ängste und Hoffnungen, über Gesundheit, Sport, Einsamkeit, Lebensfreude – und über das, was bleibt.
Ihre Aussagen sind dabei so vielfältig wie das Leben selbst: direkt, bewegend, humorvoll und nachdenklich.

Neben den Portraitaufnahmen laden Interviewzitate dazu ein, die Menschen hinter den Bildern kennenzulernen – mit ihrer Lebenserfahrung, ihren Wünschen, Zweifeln und Hoffnungen. In den „Doppelportraits“ aus unterschiedlichen Jahren zeigt sich, wie sich das Äußere verändert und sich der Blick auf das Leben verschiebt. Und doch bleibt eines konstant: das Leben selbst, das weitergeht, sich entfaltet und nichts von seiner Intensität verliert – lebendig, vielschichtig und in Bewegung.


Die Antworten sind thematisch gegliedert – losgelöst von den Fotos – und machen so die Vielfalt der Haltungen zum Älterwerden sichtbar.

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Die ersten Interviews
Wie stellst Du Dir Dein Alter vor?

Viele Hoffen auf ein selbstbestimmtes Leben – geistig und körperlich fit, eingebunden in Familie oder alternative Wohnformen wie zum Beispiel eine Alters-WG.

Andere sprechen offen über Unsicherheiten und Zukunftsängste – etwa vor Altersarmut oder dem Verlust der Autonomie.

  • Ich wünsche mir, dass alles so bleibt wie jetzt, realistisch weiß ich aber, dass es ganz anders kommen kann
  • Ich wünsche mir ein langes Leben mit meinem Mann und die Zeit, Dinge gemeinsam zu erleben, die wir bisher nicht machen konnten.
  • Aus der Selbstbestimmung in den Sarg
  • Realistisch sehe ich mich allerdings in der Altersarmut. Ewig arbeiten um zu überleben!
  • Bis zum Schluss in meinem Haus zu sein, frei und selbstbestimmt.
  • Ich möchte die Last und die Verantwortung für mich von meinen Kindern fernhalten und sie davor beschützen

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Was fürchtest Du am meisten im Alter?

Die Ängste kreisen vor allem um Verlust von Selbstbestimmung, Pflegebedürftigkeit, Demenz und Einsamkeit.

  • Verlust der Würde
  • Eine Heimunterbringung mit allen Konsequenzen und anderen zur Last zu fallen.
  • Leiden und Schmerz, Pflegebedürftigkeit
  • Den Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung
  • Demenz

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Wie wirst Du mit dem Unerwünschten umgehen?

Die Strategien reichen von bewusster Verdrängung bis hin zur aktiven Vorbereitung, etwa durch Gespräche, Sport zum Fit bleiben, Mitgliedschaft in Sterbehilfsorganisationen.

  • Ich hoffe, ich kann annehmen, was auf mich zukommt.
  • Frühzeitig gute Hilfe organisieren
  • Wenn Du es nicht bekämpfen kannst, dann verbrüdere Dich.
  • Ich verdränge diesen Gedanken. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht in diese Situation zu kommen. Dafür tue ich alles.
  • Irgendwie geht es immer weiter.
  • Keine Ahnung, ich bin kein Held. Ich weiß nicht , wie ich letztendlich damit umgehen werde.

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Sport und Hobbys – In Bewegung bleiben – Körperlich und geistig

Fast alle Teilnehmer*innen sind sportlich aktiv oder engagieren sich in kreativen oder sozialen Bereichen – vom Tanzen über Fotografie, Gartenarbeit, Malerei bis hin zum Fussball im Verein.

  • Ich mache Fitnesssport, spiele ein Instrument und beschäftige mich mit Musik
  • Ich habe mehrere Hunde, die mich in Bewegung halten
  • Ich bin ehrenamtlich bei einer Zeitung tätig
  • Ich tanze, schreibe, lese und reise viel
  • Kampfsport, Mountain-Bike fahren, Billard, Kulinarisches Genießen
  • Ich spiele Fussball im Verein

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Merkst Du Dein Alter schon?

Viele berichten von abnehmender Energie, längeren Regenerationsphasen oder körperlichen Einschränkungen.

  • Ich bin fit, aber die jüngeren sind deutlich fitter
  • Die erste Lesebrille liegt noch unbenutzt in der Schublade
  • Ja, ich merke es in den Knochen und Gelenken
  • Ja, ich überlege mir schon: Machst Du heute Sport oder gehst Du lieber mit dem Hund?

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Alter und Weisheit – Gibt es das?
  • Hier zeigt sich ein klarer Konsens: Ja, es gibt sie – aber eher als Form der „Lebensklugheit“.
    Viele fühlen sich gelassener, dankbarer, reflektierter als früher – und teilen diese Erfahrungen gerne.
  • Man macht seine Erfahrungen, wird gelassener und trifft seine Entscheidungen aufgrund von gemachten Erfahrungen nun anders
  • Ich würde es als Lebensklugheit bezeichnen, allerdings auch nicht bei allen Menschen. Es gibt ja auch den „Altersstarrsinn“ und die „Unveränderbarkeit“
  • Ja, man hat so viele Erfahrungen gemacht und kann diese heute ganz anders umsetzen, bzw. sich damit auseinandersetzen. Das verändert die Sicht auf viele Dinge
  • Man wird nachsichtiger und gelassener

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2023/24 – fünf Jahre später

Inzwischen sind seit dem Start des Projekts fünf Jahre vergangen. Unvorhersehbares trat ein: Eine Teilnehmerin stieg aus Zeitgründen aus dem Projekt aus. Ein anderer Teilnehmer verstarb. 2019 kam die Corona-Pandemie.

Die Corona-Pandemie hat uns alle getroffen – aber manche besonders hart.
Für viele alte Menschen bedeutete diese Zeit nicht nur Einschränkungen, sondern den Verlust von kostbarer Lebenszeit.
Zeit, die nicht nachholbar ist.
Zeit, in der sie nicht reisen konnten, keine Familie sehen durften, keine Umarmungen, kein gemeinsames Erleben.
Isolation statt Begegnung. Stille statt Geschichten.
Während für Jüngere nach der Pandemie neue Jahre, neue Chancen und neue Aufbrüche kamen, geht das Altern weiter – unaufhaltsam.

Bei dem Fotoprojekt zeigt sich nach fünf Jahren zwischen den jüngeren und den älteren Teilnehmer*innen eine unterschiedliche Entwicklung. Sind die älteren eher entspannt, gelassen und sich der Freiheit ihres Ruhestandes bewusst und genießen die Tage und das, was da kommt, sind die jüngeren noch völlig im Alltag/Berufsleben eingebunden und Müdigkeit, Abgespanntheit und Stress bestimmen zum Teil das Leben. Kaum eine*r denkt an den bevorstehenden Ruhestand und wie er/sie sich darauf eventuell vorbereiten könnte. Ausnahmen gibt es auch hier.

Trotzdem ist das Leben weiterhin bunt. Es wurde geheiratet, sich getrennt, neue Berufswege eingeschlagen und Lebensträume haben sich erfüllt. Bewegung und Sport bleiben wichtige Konstanten, doch erste Einschränkungen zeigen sich. Hobbys begleiten die Teilnehmenden weiterhin, neue Interessen sind hinzugekommen. Aber auch Krankheit veränderte das Familienleben und die Perspektiven. Der Tod von Freunden wirft Fragen auf. Eigene Erfahrungen mit lebensbedrohlichen Situationen lassen das Leben intensiver und kostbarer erscheinen. Erstmals stehen Fragen und Zweifel im Raum, ob es mit dem eigenen Leben im Alter wirklich alles so sein wird wie man es sich vorstellt oder wünscht. Erfahrungen und Erlebnisse durch Krankheit und Tod von Freunden und Verwandten lassen auf die Endlichkeit des eigenen Lebens blicken.

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